Monatsspruch für November

Meine Zeit steht in deinen Händen. (Psalm 31, 16)

Das vergehende Jahr erinnert an die vergehende Zeit. Dunkle Herbsttage, sterbende Natur. So manche Menschen stehen an diesen Tagen an Gräbern. Sie hängen ihren Erinnerungen nach. Wünschen sich vergangenes Glück zurück. Möchten noch einmal beginnen, Fehler vermeiden, wieder gut machen, was verfehlt wurde.

Wäre das ein Ziel: Zeit zu haben? Ohne die Grenze des Todes Zeit zu haben? Alles im Leben zu einem guten Ende bringen können. Es schmerzt, wenn Menschen – manchmal erst im Alter – sehen müssen, wie ihr Lebensplan, die Leistung ihres Lebens von anderen weggeschoben wird. Könnten Menschen anders – besser – alt werden, wenn sie sehen: Meine Mühe hat sich gelohnt? Wer möchte nicht von seinen Erfahrungen weitergeben? Vielleicht sogar von seinen Fehlern, damit andere davor bewahrt bleiben? Könnte nicht ein Mensch dem anderen die Zeit seines Lebens leichter machen – das Leben, das Altwerden und womöglich sogar das Sterben, wenn mit seinem Wollen und Schaffen freundlicher, liebevoller umgegangen würde?

Aber ist das überhaupt ein Ziel – Zeit haben, viel Zeit haben? Manche Menschen leiden darunter, dass sie zu viel Zeit haben. Andere klagen: Ich habe zu wenig Zeit. Was wäre, wenn wir Menschen unbegrenzt Zeit hätten? Das Haus erfordert doch wieder neu meine Arbeit. Der Garten wächst anders, als ich ihn angelegt habe. Die Kinder werden zu eigenen Menschen, die nicht bloß durch meinen Einfluss geprägt sind. Ich bleibe zurück hinter meinen Zielen. Ich bekomme ein Stück Welt unfertig übergeben, arbeite daran, so gut ich kann, und muss doch etwas Unfertiges aus der Hand legen. Es scheint zum Verzweifeln. Muss das so sein?

Es gibt ein altes deutsches Wort, das Zeit und Ewigkeit zusammenschließt: „Einst“. Mit ihm fangen sowohl Sätze der Vergangenheit an wie der Zukunft an: „Einst lebte ein mächtiger König“. Und ebenso kann es heißen: „Einst wird Frieden auf Erden sein.“ Einst – das verbindet meine Ziele, meine Zeit mit vergangenem und zukünftigen Zeiten und Zielen. Wenn ich meine Kraft einsetze, soll ich mich nicht sorgen, ob auch ja das Richtige daraus wird. Einst – da lerne ich aus dem Vergangenen, da leide ich an der Unvollkommenheit, da gebe ich Hoffnungen und Träume weiter an die Kommenden.

Einst – das verbindet Zeit und Ewigkeit.

Ihre Pastorin Evelin Franke

Monatsspruch für Oktober

Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben! (Tobit 4,8)

Diese Worte sind aus einem Buch, das den wenigsten von uns bekannt ist, dem Buch Tobit aus den Apokryphen des Alten Testamentes. Der Vater Tobit gibt Tobias seinem Sohn ein Vermächtnis mit auf seinen Weg ins Leben, nämlich dieses: er möge immer ein Gebender sein. Von Almosen ist hier die Rede. Vielleicht ist  mit dem Begriff Almosen gar nicht Geld gemeint. Gibt es nicht vieles anderes, was wir verschenken können? Und gibt es nicht viele Arten reich zu sein?

Reich an Zeit oder Kraft, Fantasie und Lebensfreude. Wohlhabend an Mut, Sinn oder Lebendigkeit. Manche sind gesegnet mit einem Talent. Einer kann zuhören, dass man sich selbst verstehen lernt. Eine spielt ihr Instrument so wunderbar, dass anderen das Herz aufgeht. Manche Menschen finden heilsame Worte, andere packen zu, wo sie gebraucht werden. – Dieses Wort soll Tobias Freigiebigkeit lehren. Sei freigiebig mit dem, was du hast. Und hab keine Angst davor, zu kurz zu kommen. In diesen Worten steckt ein ganz tiefes Vertrauen in das von Gott geschenkte Leben.

Wie heißt es so schön im Gleichnis vom reichen Kornbauern:“ Niemand lebt davon, dass er sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.“ Oder einmal profaner gesagt: “Das letzte Hemd hat keine Taschen.“ Mich lädt der Monatsspruch dazu ein, darüber nachzudenken, welche Lebensweisheiten ich meinen Kindern mit auf den Weg gebe. Und welche ich von meinen Eltern überliefert und vorgelebt bekommen habe. „…die Freude, die wir geben kehrt ins eigne Herz zurück.“

Ein wichtiges Wort für meinen Dienst ist dieser Spruch meiner Großmutter geworden. Ich denke, ein jeder von uns hat eine Menge zu geben, wenn wir uns als Beschenkte verstehen.

Herzlich grüße ich Sie und Ihre Familien

Ihre Pastorin Evelin Franke

Monatsspruch September 2019

Liebe Gemeindeglieder!

Der Sommer geht langsam zu Ende und schon langsam hält der Herbst Einzug. Die Zeit der Ernte erleben wir im Garten oder beobachten, wie die Felder Stück für Stück abgeerntet werden. Die Pflaumen reifen und die Äpfel…

Das Erntedankfest steht vor der Tür. Es ist eine schöne Tradition, zu feiern, dass wir ernten konnten. Es macht schon Sinn mitten im Jahr innezuhalten und sich über die Ernte zu freuen. Nun könnte das ja jeder zu Hause machen und auf seinem Sofa in der Stube sitzend, sagen: So, ich ziehe mal Bilanz. Die Ernte dieses Jahr war eigentlich ganz gut. Und dann könnte man, auf seinem Sofa in der Stube sitzend, sich ein Glas einschenken und sich zu prosten und sagen…

Nein, so geht das nicht. Ernten, Erntefest feiern, ist eine Gemeinschaftssache. Und darum ist auch das Erntedankfest ein Gemeinschaftsfest. Ich beobachte, dass wir das mehr und mehr aus dem Blick und vergessen, dass wir als Einzelkämpfer nicht lebens-und überlebensfähig sind. Nur in der Gemeinschaft geht es. Es findet eine große Entsolidarisierung in unserer Gesellschaft statt. Vereine spüren das. Die Feuerwehr. Die Parteien. Auch die Kirchen. Viele machen ihr eigenes Ding und denken, sie seien eine Insel. Aber das ist nicht wahr. Mein Leben funktioniert nur im Zusammenspiel mit anderen. Nun muss man ja nicht ständig mit anderen zusammenglucken. Aber man darf es auch nicht vergessen. Mein Leben funktioniert nur im Zusammenspiel mit anderen. Auch eine Kirchengemeinde funktioniert nur im Zusammenspiel.

Im Oktober finden die Wahlen der Gemeindekirchenräte statt. In diesem Gremium überlegen Menschen miteinander, wie es mit der Kirche vor Ort weitergehen kann und soll. Sie ziehen Bilanz und stecken neue Ziele. Doch allein können sie kaum etwas bewirken… Das Leben der Kirchengemeinde ist Gemeinschaftssache. Vergessen wir das nicht. Ich wünsche uns allen eine gute kommende Zeit. Lassen Sie uns zusammenhalten in den Gedanken, in den Herzen und mit den Händen.

Ihre Pfarrerin Evelin Franke

Monatsspruch August 2019

HERR, wie sind deine Werke so groß und viel, und die Erde ist voll deiner Güter (Psalm 104,24)

Die Welt ist ein wunderbarer Garten des Lebens. Wenn ich durch diesen Garten des Lebens gehe, erlebe ich ihn unterschiedlich. Mal voller Staunen und Jubel. Geht Ihnen beim Duft einer Rose oder beim satten Grün der Bäume nicht auch das Herz auf? Andererseits scheint mir beim Blick in die Natur auch manches voller Seufzen und Klagen. Wie viele Bäume sind seit dem vergangenen Sommer vertrocknet? Welche Unwetter brechen über uns herein? Was tun wir Menschen der Schöpfung an, weil wir von allem nicht genug bekommen können? Pflanzen und Tiere verlieren ihr Leben, weil wir ihnen den Lebensraum nehmen. Wir ahnen, welche dramatischen Konsequenzen das für uns alle hat. Wir reden ja täglich darüber. So gehört zum Schöpfungslob auch das Lied der Klage.

Wie gut, dass Gott der Schöpfer nicht nur den Lobgesang hört. Er hat auch das Seufzen im Ohr. Der Apostel Paulus schreibt deshalb von der Hoffnung für die Schöpfung: „Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.“ Als Christen bekennen wir Christus als den Anfang einer neuen Welt. Am Ende der Zeit erwartet uns diese neue Welt ohne Leid und Geschrei. So hören wir gut hin auf das Seufzen der Geschöpfe um uns und in uns selbst: es soll nicht nur ein Klagelied sein, sondern auch ein Hoffnungslied. Es ist das Lied der Sehnsucht nach dem, was uns verheißen ist: einen neuen Himmel und eine neuen Erde, in der Gerechtigkeit wohnt. Mit wunderbaren Bildern beschreibt der Prophet Jesaja diese Neue: „Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und ein Kind wird ohne Schaden seine Hand ins Schlupfloch der Kreuzotter stecken.“ Also eine ganz neue Schöpfung.

Mit solcher Hoffnung im Herzen kann ich ganz anders durch den Garten des Lebens gehen. Denn Hoffnung weckt neue Kräfte, neue Ideen, eröffnet neue Wege. Nicht weil ich ums Überleben kämpfe setze ich mich für die Umwelt ein, sondern weil Gott das Bild der neuen Welt in unser Herz gelegt hat. Und jeder meiner kleinen Schritte ist KEIN Tropfen auf den heißen Stein, sondern ist ein Tropfen im großen Strom des Lebens, von dem am Ende der Bibel die Rede ist. Mein eigenes unvollkommenes Handeln ist hinein genommen in das große Heilshandeln Gottes. Ich muss nicht die Welt retten – das ist Gottes Sache – meine Aufgabe ist das Tun des Gerechten. Als Kinder Gottes dürfen wir uns für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Im Blick auf all unsere Unzulänglichkeit dürfen wir darauf vertrauen: der Schöpfer der Welt, ist auch der Neuschöpfer. HERR, wie sind deine Werke so groß und viel, und die Erde ist voll deiner Güter – das war am Anfang so und so wird es auch am Ende der Zeit sein. In unseren Jahren dazwischen gilt es diesen Garten des Lebens zu behüten und zu bewahren. Dazu helfe uns Gott.

Dies wünscht Ihnen Ihr Pfr.i.R. Johannes Schmidt

Monatsspruch Juli 2019

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. (Jakobus 1, 19)

Eine häufige Ursache zwischenmenschlicher Konflikte ist fehlende oder unzureichende Kommunikation. Wir reden viel und reagieren schnell, meist nehmen Emotionen bereits vorder Beendigung einer Aussage überhand. Wir reagieren, bevor wir hören. Wir sind auf 180, so drücken wir es aus, wenn der Blutdruck steigt und der Brüller sich schon den Weg ins Freie sucht. In der Psychologie ist „aktives Zuhören“ ein eigenes Forschungsthema. Jemanden wirklich zuzuhören erfordert Aufmerksamkeit, Konzentration, Willen und Übung.

Ein menschliches Grundbedürfnis ist es, gehört und gesehen zu werden. Der Vers in Jakobus ist an die Christengemeinde Jesu gerichtet, Hintergrund des Briefes könnten Streitigkeiten und Missverständnisse der paulinischen Schriften innerhalb der Gemeinden gewesen sein. Es geht um das Hören des Wortes Gottes und die eigene Reaktion darauf – die emotionale Reaktion und die Handlungsreaktion. „Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden und langsam zum Zorn“ beinhaltet zudem auch eine aktive Aufforderung, den Prozess des Zuhörens einzuüben und sich die Zeit und Stille dafür zu nehmen. Wer hören will, der kann nicht gleichzeitig reden. Wer hören will, der muss zunächst einmal still sein.

Das, was wir in der zwischenmenschlichen Kommunikation oftmals verpassen, wenn wir unseren Gegenüber nicht wirklich Zeit und Aufmerksamkeit schenken, um ihn zu hören und zu sehen, kann weitreichende Folgen mit sich bringen. Dinge, die nie so gesagt oder gemeint wurden und Dinge, die gesagt, aber nicht gehört wurden, schaffen emotionale Distanzierung, Isolation und Streitigkeiten. Wir sind darauf angewiesen, einander zu hören, wenn wirzwischenmenschliche Verbindungen schaffen wollen. Und noch viel mehr sind wir darauf angewiesen, das Wort zuhören, das uns Leben gibt und Handlungsanweisungen für ein gutes, lebensbejahendes Miteinander bereitstellt. Der Vers in Jakobus darf auch heute als eine Einladung, ein Hinweis und eine Aufforderung verstanden werden, sich die Zeit zu nehmen, Gottes Wort zu hören. Und er darf als eine Einladung und eine Erinnerung wahrgenommen werden, sich die Zeit zu nehmen, einander zu hören.

Viele gute Dinge nehmen im Kleinen, Unscheinbaren ihren Anfang. Vielleicht ist das Zuhören einer dieser Anfänge, die Großes bewirken. Eine Entscheidung, in die es sich lohnt, Zeit und Energie zu investieren. Gerade in diesen Tagen und Wochen, in denen wir unterwegs sind an den verschiedensten Urlaubsorten sind wir eingeladen, andere Menschen wahrzunehmen, wenn sie mit uns im Hotel oder der Herberge, auf dem Campingplatz oder in der Ferienwohnung wohnen. Gerade in den Ferien schenkt Gott uns die Zeit sein Wort in den verschiedensten Andachten und Gottesdiensten zu hören oder in der Bibel zulesen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien eine gesegnete Zeit.

Ihre Pfarrerin Evelin Franke

Monatsspruch Juni 2019

Wir hören sie in unseren Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? (Apg. 2,11f)

„Ich verstehe nur noch Bahnhof!“ – Stoßseufzer angesichts von Ratlosigkeit.

Die Pfingstgeschichte in der Bibel erzählt davon , dass eine der wichtigsten Wirkungen des Geistes Gottes die ist, das alle das Reden der Apostel verstehen, die Sprache wieder das ist, was sie zuallererst sein soll, ein Verständigungsmittel. Das gelingt auch deswegen, weil der Geist Gottes ein Geist der Liebe ist. Denn das sich Menschen nicht mehr verstehen, obwohl sie die gleiche Sprache sprechen, liegt oft daran, dass sie einander nicht (mehr) lieben und schätzen.

Ein aufmunterndes Lied von Clemens Bittlinger haben wir im Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden gesungen: „Wir wollen aufstehen, aufeinander zugehn, voneinander lernen, miteinander umzugehn… und uns nicht entfernen, wenn wir etwas nicht verstehn.“

Ich wünschen uns, dass wir dies in unserer Gemeinde erleben: dass wir verstehen und verstanden werden, dass wir mutig nachfragen, wenn wir etwas nicht verstanden haben, und geduldig zuhören, wenn uns jemand erst einmal nicht versteht. Denn dann ist der Geist Gottes in unserer Gemeinde lebendig. Und mehr brauchen wir nicht. In diesem Sinne sollten wir Pfingsten feiern.

Ich wünschen uns und unseren Lieben ein gesegnetes Pfingsfest!

Ihre Pfarrerin Evelin Franke

Monatsspruch Mai 2019

Gib mir einen neuen, beständigen Geist (Psalm 51,12)

Liebe Gemeinden.

Vielleicht fällt es uns schon gar nicht mehr auf, weil wir so viele Dinge im Kopf haben; aber wenn wir uns, unseren Wohnorten per Auto, Bus oder zu Fuß näheren, begrüßt uns als erstes der Kirchturm. Der Turm ist das Symbol für die Beständigkeit.

Der Buttstädter Kirchturm wird am 3. Mai eine neue Bekrönung bekommen. Einen Engel mit einer Posaune in der Hand. Wie sieht die Spitze ihres Kirchturms aus? Welche Bedeutung hat sie? Wir Menschen leben nicht nur von der Veränderung, sondern auch von der Bewahrung des Guten und Bewährten. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit ist es wichtig, dass es Konstanten gibt, die so etwas wie ein Geländer darstellen, an dem wir uns orientieren können. Unsere Gesellschaft lebt nicht von den „Eintagsfliegen“, sondern von Menschen, die eine für richtig erkannte Überzeugung beharrlich, ausdauernd und glaubwürdig vertreten und durchsetzen. Sie lebt von denen, die Zivilcourage zeigen, die den Mut haben, auch unbequeme und unpopuläre Positionen zu vertreten und andere davon zu überzeugen.

Ich möchte Sie davon überzeugen, dass Gottesdienste viel mehr Spaß machen, wenn sich recht viele dazu versammeln und nicht nach Ausreden suchen. Es gibt keine Alternative zum Gottesdienst, weil ich die Gemeinschaft mit Gott und meinen Mitchristen nirgends so erleben kann. In einem alten Lied der Bibel bittet ein Mensch Gott: Gib mir einen neuen, beständigen Geist (Psalm 51,12). Eine Bitte, in die ich nur einstimmen kann.

Mit herzlichen Grüßen für Sie und ihre Familien
Ihre Pfarrerin Evelin Franke

Monatsspruch April 2019

Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus 28, 20)

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei…“, so heißt es in einem älteren Karnevalsschlager. Danach beginnt die Fastenzeit, die bis zum Ostersonntag andauert. Aber, wen interessiert dies schon? Bei den meisten Menschen geht das Leben weiter, wie bisher. Die Feste werden gefeiert, wie sie fallen und wenn sich doch jemand einschränkt in seinem Lebensstil, einmal versucht in diesem Leben auf etwas zu verzichten, so hat es meist keinen religiösen Hintergrund oder Untergrund. Unser Leben ist nicht mehr auf der Tatsache gegründet, dass alles Leben – ich selbst eingeschlossen – von Gott kommt. Das heißt, ich habe in diesem Leben das Gegenüber verloren und irre eigentlich nur noch ruhelos durch die Zeit. Die Fastenzeit will uns helfen, durch Verzicht Ruhe und auch Gott wieder zu finden. Es handelt sich keineswegs um eine Bußübung aus dem Mittelalter.

An einigen Beispielen mag uns das deutlich werden. Wenn ich versuche eine Zeitlang auf Alkohol zu verzichten, kann ich sicher darüber nachdenken, wieso ich meinen Körper vorsätzlich zerstöre und habe vor allem am nächsten Tag einen klaren Kopf für mein Leben. Wenn ich versuche, weniger Fleisch zu essen und auch am Sonntag auf die üppige Küche zu verzichten, habe ich mehr Zeit für die Familie und auch für den Gottesdienst. Der Verzicht auf Fernsehen bringt uns als Familie bestimmt wieder näher. Miteinander spielen, erzählen, lesen oder auch schweigen… sich zueinander auf den Weg machen.

Niemand von uns würde einen Baum in den Sand pflanzen. Beim ersten Sturm würde der Baum entwurzelt. Viele von uns laufen als solche entwurzelte Bäume herum, versuchen in allem Möglichen Halt und Hilfe zu finden und werden letztlich enttäuscht. Ich glaube, Gott enttäuscht uns nicht – auf ihn können wir uns verlassen im Leben und im Tod. Sein Versprechen gilt einem jeden von uns, an jedem Tag – an den hellen Tagen und an den dunklen, an den Tagen, an denen wir gar nicht aufstehen mögen und an denen, die wir kaum erwarten können.

Am Aschermittwoch ist nicht alles vorbei…Nie ist alles vorbei. An dieses Versprechen dürfen wir uns halten. „Siehe, ich bin bei euch, bis an der Welt Ende.“

Mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen für Sie und Ihre Lieben!

Ihre Pfarrerin Evelin Franke

Monatsspruch März 2019

Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein. (1. Samuel 7,3)

Genießen sie die ersten Sonnenstrahlen genauso wie ich? Wenn ich das Gesicht der Sonne zuwende, erlebe ich so viel Freude und neues Leben. Ich empfinde neues Glück. Es geht aufwärts. Die Tage werden länger. Mein Kopf ist voll von neuen Gedanken und Ideen. In einem Sprichwort heißt es: Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich. Um diese Kraft des Lichts zu spüren, muss ich mich bewegen, etwas tun. Nicht mehr in den dunklen Ecken kramen und verweilen, sondern eine neue Haltung einüben.

Der Monatsspruch für den Monat März aus dem Alten Testament lädt uns ein, unser Herz zu bewegen, es zu wenden. Dazu braucht es keine körperliche Anstrengung. Es ist mehr eine Übung der Gedanken. Wo sind denn meine Herzensgedanken festgemacht? Wenn ich mich jetzt auf den Weg mache, wird mir eine Menge einfallen: meine Gesundheit, mein Geld, meine Familie, mein Urlaub, meine Zukunft, meine Rente, mein Verein, mein Dorf, meine Stadt, mein Land, mein Leben. Martin Luther hat es einmal so gesagt: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“  Der Prophet Samuel lädt sein Volk und mich ein zu einer Wende in mir. Dass ich mich an meinen Ursprung erinnere, an den der mich geschaffen hat, an den, der mich erlöst und zur Freiheit berufen hat. Mein Herz wenden heißt, Hartherzigkeit nicht die Oberhand gewinnen lassen bei meinen Entscheidungen, bei allem Tun und Lassen.

So wie wir wissen, dass nach langer Dunkelzeit wieder Wärme und Licht unser Leben erhält, so dürfen wir uns an die vielen wundersamen Gottesbegegnungen erinnern die in der Bibel erzählt werden oder uns Zuspruch in den alten Liedern holen: Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat, heißt es im Psalm 103 im 2. Vers.

Wenn ich zurückkehre zu ihm, werde ich anders sein, als am Anfang. Wenn ich mein Herz in Bewegung gebracht habe, finde ich sicher eine neue Orientierung. Amen

Mit herzlichen Grüßen für Sie und Ihre Familien! Bleiben Sie behütet!

Ihre Pfarrerin Evelin Franke

Monatsspruch Februar 2019

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. (Römer 8,18)

In Zeiten des Leidens und der Verzweiflung ist es oft sehr schwer daran zu glauben, dass es einmal anders werden könnte. Ob mir dann solche Worte helfen? Einmal wird das Leben in die Waagschale legen, dann wird alles, was hier schwer gewogen hat, an Bedeutung verlieren.

Am Buttstädter Marktbrunnen wird diese Hoffnung ganz bildlich dargestellt. Wie können Michael den Erzengel sehen, mit einer Waage in der Hand und er wiegt unsere Seele (der Mensch, der auf der einen Schale sitzt). Der Teufel versucht von hinten einen Mühlstein auf die andere Waagschale zu legen, doch die Waage wird dadurch nicht beeinflusst. Es gibt kein Gewicht dieser Welt, was uns aus der Fürsorge und Bewahrung reißen könnte, selbst ein Mühlstein ist zu leicht. Manchmal kann ich es auch schon jetzt erleben, als habe Gott dieses große Versprechen unter uns schon in kleinen Augenblicken sichtbar werden lassen. Wenn der Streit endlich vorbei ist, wenn Menschen sich wieder in die Augen sehen können und einen neuen Anfang wagen. Wenn Not gelindert wird, durch unser Zutun.

Wenn wir gemeinsam singen: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem Neuen Tag. Es gibt Momente, in denen das, was schwer auf einem lastet, leichter wird. Eine Zentnerschwere Last beginnt sich aufzulösen. Sie wird manchmal vorsichtig, manchmal rasant vom Leben überholt. Und endlich öffnet die Welt sich neu, als läge sie vor mir wie ein neuer Morgen.

Ich wünsche dir, dass du auch dass annehmen kannst, was schwer war in deinem Leben. Das Schwere annehmen heißt, die Trauer darum loszulassen, wenn es an der Zeit ist. Den Raben fortzuscheuchen, der es sich auf deiner Schulter bequem machen will. Irgendwann brauchst du ihn nicht mehr. Dann ist das, was war, den weiten Weg von außen nach innen gegangen. Jetzt wohnt es in dir, wo es bleiben wird, aufgehoben in deiner Schatztruhe. Du kannst dich daran freuen und davon zehren und davon zehren auf den Wegen, die vor dir liegen. (Tina Willms)

Mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen für eine gesegnete Zeit!
Ihr Pfarrerin Evelin Franke